Wir sind eingeladen bei Marianne Huhmann, die wie ihre Schwester noch heute im Hause der Eltern wohnt. "Vor unserem Haus an der Johannisstraße 144 stand bis 1842 das alte innere Stadttor (Johannistor). Reste der alten Stadtmauer sind noch im Keller unseres Hauses zu sehen. Gegenüber auf der anderen Straßenseite war das Zoll- und Akzisehaus. Durch das Tor fuhren im Mittelalter die Salzfahrer von Salzuffeln kommend zum Salzmarkt.

"Ja, wir hatten schöne und viele Gaststätten und Ausflugslokale: Schumla, Tivoli, Gerritzen, Sängerheim, Neiss, Roseneck, Vennemann und wie sie alle hießen. Viele Gaststätten und Tanzlokale wurden im Krieg zerstört. Nach den Schrecken des Krieges gab es einen großen Nachholbedarf nach geselligen Veranstaltungen. Das Gastronomiewesen boomte schnell wieder. Auch das Haus Vennemann wurde zunächst provisorisch wieder errichtet, bevor die Gaststätte 1953 wieder komplett aufgebaut wurde. Die Großeltern und Eltern führten das Haus Vennemann von 1908 bis 1958. Erinnern kann ich mich noch gut an das erste Strafmandat eines Pferdehalters. Es wurde ausgesprochen für einen Fuhrwagen, der vor unserem Hause abgestellt war. Das war verboten. Das war das erste Parkverbot in Osnabrück. Hinter unserem Hause hatten wir eine Ausspannstelle für die Boten aus Glandorf. Ein Großereignis war auch die Beerdigungsfeier eines bekannten Osnabrücker Fliegerpiloten. Ab 1958 übernahm ich die Gaststätte mit Saalbetrieb von meinen Eltern und meine Schwester Margot Raffelt den Hotelbetrieb."

Das Haus Venemann war Nachbarschaftstreff, Vereinslokal und Tanzlokal. 11 Vereine trafen sich regelmäßig, darunter Gesangsvereine, Schützenvereine, der Reichsbund oder das Bildungswerk der Angestellten im öffentlichen Dienst.

M. Raffelt: „Heute wohnen in unserer Ecke vor allem Studenten. Jede Woche wohnen hier andere! Studenten treffen sich lieber in der Innenstadt. So wie früher, wo die Arbeiter und Angestellten der umliegenden Betriebe oder der Vater mit dem Sohn einen Trinken ging, das gibt es heute nicht mehr. Nachbarn trafen sich in den Gasthäusern in ihren Wohnbezirken. Das war überall so. Die älteren Herren kamen regelmäßig in ihren Stammkneipen zur Trinkenstiet schon um 11 Uhr morgens. Das war auch unter der Woche so. Samstag abends war Tanzabend, immer mit Kapelle. Es war eine gemütliche, schöne Zeit."

"Mit den Discotheken und den Angeboten in der Altstadt ging das Leben in den Kneipen im Wohnviertel zu Ende. Wenn wir heute die Leute, die sich hier kennen gelernt haben, einladen würden, kämen wir mit dem Saal der Stadthalle nicht aus. Als die jungen Leute ausblieben, haben wir dann noch über Jahre hinaus einen „Ball der einsamen Herzen“ veranstaltet. Das kennen auch viele. Heute ist das Gasthaus verpachtet an einen bosnisch/russischen Club. In unserer Gaststätte war auch der erste Spielautomat in Osnabrück aufgestellt. Er kam von der Fa. Krull“.