Zur Geschichte der Mechower Kirche

von Erich Goetsch

Die spätromanische Dorfkirche in Mechow hebt sich durch ihre Größe, ihren Turm, die Stärke ihrer Mauern und ihre zeitlose Schönheit von anderen, zu Ende des 13. Jahrhunderts im Land Stargard erbauten dörflichen Gotteshäusern ab und gehört zu den wenigen sakralen Bauten der Zeit, die ausschließlich aus Feldsteinen errichtet worden sind. Erst zu Ende des 19. Jahrhunderts sind bei Umbauten zur Änderung des Turmzuganges und Einrichtung eines neuen

Kirchenportals an der Stirnseite des mächtigen Westwerkturms auch Ziegelsteine verwendet worden. An höchster Stelle der Gemarkung stehend und von einer massiven Feldsteinmauer als Friedensbereich umfasst, überragt sie mit ihrem über 15 m hohen Turm das Dorf und mahnt mit ihrem Geläut Bewohner und Gäste zum Kirchgang.

 

Geschichte:

Mit der Völkerwanderung waren gegen 600 n.Chr. die im ostelbischen Gebiet ansässigen Germanen in den Westen bzw. Süden abgewandert und an ihre Stelle aus dem Osten nachziehende slawische und wendische Volksstämme getreten. Schon zu Zeiten Kaiser Karl des Großen (748-814), verstärkt dann in der Zeit von Kaiser Otto dem Großen (912-976) und

in dessen Nachfolge war es bis zum Ende des letzten Slawenaufstandes und des Slawenkreuzzuges 1147 ständig zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den fränkischen bzw. sächsischen Herren und den lokal ansässigen und aufsässigen Slawen gekommen.

Die bereits 965 durch das Erzbistum Mainz gegründeten Bistümer Brandenburg und Havelberg

wurden 983 im großen Slawenaufstand zerstört, ihre Priester und Mönche niedergemacht und die Bischofssitze vakant.

Norbert von Xanten, der Gründer des Prämonstratenserordens, war bereits 1126 als Erzbischof von Magdeburg von Kaiser und Papst mit der Aufgabe betraut worden, die Bekehrung der Slawen im ostelbischen Gebiet abzusschließen. Er war ein bedeutender militanter Gottesmann, dem damals gemeinsam mit Kappenberger Chorherren (seiner ersten Klostergründung auf deutschem Boden in Westfalen) die politische und geistige Reconquista des Landes und die Wiederbesetzung der vakanten Bischofssitze in Ratzeburg, Brandenburg und - für Mechow wichtig - in Havelberg gelang. Nach 1147 konnte die Christianisierung (Tod oder Taufe den Heiden)und Kolonisierung des ostelbischen Gebietes intensiviert werden, so auch im Stammesgebiet der Redarier mit Mechow. Welche politische Bedeutung dieser Missionierung damals von der weltlichen und geistlichen Obrigkeit beigemessen wurde, zeigte sich bei der Wiedereinweihung des Havelberger Doms 1170. Den dort wirkenden Prämonstratensern wurde

in einer allerdings teilweise gefälschten, großzügigen Schenkung Grundbesitz für die Gründung des Klosters Broda vom Pommernherzog in Gegenwart des Markgrafen von Brandenburg beurkundet. Mechow ist in der Schenkung nicht aufgeführt. Es stand damals unter der Hoheit der askanischen Markgrafen.

Diese schenkten das Dorf 1271 mit 60 Hufen dem 1239/44 errichteten Prämonstratenserkloster

Kloster Broda. Bereits 1290 wurde es mit 64 Hufen Teil des Dotationsgutes der neu gegründeten Frauenzisterze Wanzka. Im Zuge einer Erbauseinandersetzung zwischen den

Askaniern und Heinrich II. von Mecklenburg gelangte das Dorf 1300 unter mecklenburgische Landeshoheit, die im Templiner Frieden 1317 endgültig bestätigt wurde. Mechow war also von 1271 bis zur Aufhebung des Klosters Wanzka 1555 Klosterdorf und blieb bis 1918 domaniales Bauerndorf unter mecklenburgstrelitzscher Herrschaft. Kirchlich gehörte es weiterhin zur Diözese Brandenburg. Durch diese Grenzverschiebung lag das Dorf fortan grenznah zu Brandenburg in einem kleinen mecklenburg-strelitzschen Landeszipfel, weitab von dessen Zentrum im Land Stargard. Diese Isolierung hat sicherlich die weitere Entwicklung des Dorfes

beeinträchtigt. Mechow ist im Laufe der folgenden Jahrhunderte stets eine kleine, unbedeutende Gemeinde geblieben, vielleicht mit einer der Gründe, dass Kirche und Dorf die Stürme der nachfolgenden Jahrhunderte weitgehend unbeschadet überstanden haben.

Überlegungen zum Bau der Kirche:

Die zahlreichen, damals nicht nur von deutschen, sondern auch slawischen Siedlern errichteten und vielfach heute noch erhaltenen, aus Stein gebauten Gotteshäuser dienten nicht nur kirchlichen Zwecken. Sie boten als einzige festen Bauten in den Dörfern der Bevölkerung auch Schutz und Zufluchtmöglichkeiten in Zeiten von Gefahr. Der Bau der Kirchen erfolgte durch die Siedler bzw. durch die Lokatoren, die diese in das Land geführt hatten, aber auch durch die Grundherrn oder Mönchsorden. Da der einfachen Bevölkerung die technischen Kenntnisse

und Erfahrungen für die Durchführung derartiger Bauvorhaben fehlten, mussten sicherlich die

bauerfahrenen Orden der Zisterzienser und Prämonstratenser und deren Bauhütten

zur Unterstützung herangezogen werden. Es waren Gemeinschaftsaktionen, die

von den Menschen im Vertrauen auf ihren Glauben und ihre Zukunft mit großem körperlichen und wirtschaftlichen Einsatz erbracht wurden. Als Baumaterial dienten entsprechend den örtlichen Gegebenheiten Back- oder Feldsteine. Als mittelalterlicher Feldsteinquaderbau stellt die Mechower Kirche eine gewisse Besonderheit dar. Leider fehlen aus damaliger

Zeit Unterlagen und Pläne über die Bauausführung und die Bauleute.

Steine und Findlinge, diese besonders für die Fundierung, boten sich als lokal reichlich vorhandenes, diluviales Baumaterial an. Die Mauern wurden in Zweischalentechnik hochgezogen, wobei die innere und äußere Wand sorgfältig aus Steinen und Mörtel errichtet

wurden. Den dadurch entstandenen Zwischenraum füllte man mit Mörtel, unbehauenen Steinen und Splittern von der Gesteinsbearbeitung auf. Die äußere Mauerschale bildete Blendmauerwerk, das nicht oder nur teilweise richtig verputzt wurde. Die innere Schale wurde in der Regel nicht verblendet, sondern nur verputzt. Die Grundmauern der Mechower Kirche

sind auffallend massiv errichtet worden (bis 2 m stark!). 1863 wurden besonders an der Westseite des Turms die Granitquadern, die sich als schwache Verblendung vom Kernmauerwerk teilweise gelöst hatten, wieder eingemauert (7). Die innere Ausschmückung der Kirche ist seit der letzten Restaurierung 1897 schlicht gehalten. Die genaue Bauzeit der Kirche ist nicht bekannt, diese lässt sich aber durch nachstehende Überlegungen eingrenzen: Krüger schreibt, dass sie zu Ende des 13. Jahrhunderts errichtet worden sei, zu gleicher Zeit wie auch mehrere andere Kirchenbauten in der Umgebung. Die Askanier hatten das Dorf 1271 dem

Kloster Broda, einer Filia der Havelberger Prämonstratenser, geschenkt. Sie kommen daher zeitlich als Bauherrn nicht infrage. Mechow war bereits 1290 in den Besitz der Frauenzisterze Wanzka gekommen, die wirtschaftlich der Kontrolle eines Klostervaters unterstand, d.h. der Observanz durch ein außenstehendes männliches Mitglied des Ordens, und daher in ihren geschäftlichen Entscheidungen nicht frei war. Deshalb scheidet auch Wanzka als Bauherrin aus. Die Bauzeit wäre damit auf die Jahre von 1271 bis 1290 einzuschränken, in der das Dorf dem Kloster Broda gehört hat. Der Orden der Prämonstratenser hat nach Ende des Aufstandes im Bereich der Havelberger Diözese große Dom-, Kloster- und Stiftskirchen unter Leitung seiner Baumeister und Bauhütten errichtet, wie z.B. den Dom in Havelberg und die Stifte Jerichow und

Leitzkau. Auch die Mechower Kirche, diese allerdings zu einem etwas späteren Zeitpunkt, dürfte unter dieser Leitung erbaut worden sein. Da Mechow damals noch in der askanischen Uckermark gelegen war, kann der Bau durchaus den uckermärkischen Dorfkirchen zugerechnet werden. Der Zugang zum Inneren und zum Turm erfolgte bis  1897 über die jetzt zugemauerte Laienpforte an der Südseite des Schiffes. Damals wurde das Westportal im Turm unter Verwendung auch von Backsteinen als Zugang geöffnet und die beiden Tonnengewölbe für eine Treppe durchbrochen, der Charakter des Turmzuganges also grundlegend geändert. Der mächtige Westkirchturm fügt sich harmonisch in das Gesamtbild des Gotteshauses ein,

sodass äußerlich, auch auf Grund des Grundrisses und der Massivität des Bauwerkes,

der Eindruck besteht, dass die Kirche zu Ende des 13. Jahrhunderts aus einem Guss als Wehrkirche errichtet worden ist. 2006 wurde die 1913 eingebaute Orgel restauriert. Dabei stellte sich heraus, dass die Orgel durch herabsickerndes Regenwasser an der Verbindungsstelle

zwischen Schiff und Chor im Laufe der Jahre Schaden genommen hatte. Eine bauliche, sonst anscheinend nicht beschriebene Besonderheit der Kirche stellt die "Jungfernstube" dar, die durch die Änderung des Kirchenportals und der Turmtreppe ihre ursprüngliche Form verloren hat. Ihr Raum, im 2. Turmgeschoss gelegen und früher nur vom Dachboden aus zugänglich, hatte die Aufgabe, in Notzeiten bei feindlichen Aktionen den Frauen und Kindern Schutz zu gewähren. Es sollen im Mittelalter Nonnen aus Wanzka dort Zuflucht gefunden haben. Mittelalterliche Dorfkirchen waren "Zweckbauten", die der geistlichen Betreuung und dem Schutz der Gläubigen dienten. Ein besonderer Baustil kann ihnen nicht zugeschrieben werden. Von den

Prämonstratensern errichtete Kirchenbauten heben sich jedoch häufig durch die Mächtigkeit ihrer Westwerke ab und erwecken so - wie auch in Mechow - durch das massive Bauwerk besonders des Turmes den Eindruck einer Wehrkirche. Schulz (10) führt aus, dass die Schenkung des Dorfes 1290 an das Kloster Wanzka sehr zum Verdruss der Brodaer Mönche erfolgt sei. Die durch diesen Wechsel entstandenen Grundbesitz- und Einnahmeverluste

waren nicht nur für das Kloster Broda, sondern auch für den askanischen Landesherrn von Bedeutung, sodass beide das Interesse an Dorf und Kirche verloren haben dürften. Die Gründe der Prämonstratenser für die Errichtung eines derart massiven Gotteshauses in Mechow sind

unbekannt. Zu überlegen wäre, ob der Bau ursprünglich für eine besondere Schutz- und Wehrfunktion des speziell in der Mission tätigen Ordens vorgesehen war.

Am 15. August 1306 verglich sich das Kloster Broda mit dem Kloster Wanzka über die Zahlung des Kaufgeldrestes für Mechow. Damit gehörte Mechow endgültig zu Wanzka, lag in der Terra Stargard und war schließlich mit dem Vertrag von Templin 1317 in die mecklenburgische Geschichte eingebettet.

 

Anschrift des Verfassers: Dr. Erich Goetsch, St. Gottfriedstr. 8, 59379 Selm-Cappenberg.

Literaturhinweise:

1). Badstübner, Ernst; Böttcher, Ulf: Feldsteinkirchen des Mittelalters.

Hinstorff , Rostock 2002.

2). Bergstedt, Clemens: Ein Festungsturm im Angesicht des Feindes. Lukas Verlag Berlin 2000.

3). Binding, Günther; Untermann, Matthias: Kleine Kunstgeschichte der Mittelalterlichen

Ordensbaukunst. Wiss. Buchgesellschaft.

Darmstadt 2002.

4). Ebert, W.: Märkische Eiszeitstraße - Feldsteinbauten -. @ 2003.

5). Enders, Lieselott: Die Uckermark. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft.

Verlag Hermann Böhlau Nachflg., Weimar 1992.

6). Higounet, Charles: Die deutsche Ostsiedlung im Mittelalter.

Siedler-Verlag Berlin 1986.

7) Krüger, Georg: Mechow: in Kunst- und Geschichtsdenkmäler des Freistaates Mecklenburg- Strelitz, Neubrandenburg 1925.

8). Untermann, Matthias: Kirchenbauten der

Prämonstratenser. Inaug.Diss. Köln 1984

9). Goetsch, Erich: Mechow. Zur Geschichte einer kleinen bäuerlichen Siedlung in der Gemeinde, Feldberger Seenlandschaft 2004.

10). Schulz, Erwin: Ortsnamen in Mecklenburg- Strelitz, Greifswald 2004.