Als ich 1974 das erste Mal die Linienstraße betrat, war ich total fasziniert weil dieses Bild nicht in die offizielle Medienlandschaft der DDR passte. Die wenigen Zeitschriften der DDR zeigten ja immer lächelnde Bauarbeiter vor Neubauten, Prestigebauten wie am Alexanderplatz oder dem ehemaligen Palast der Republik. Oder Abbildungen von Leuten, die Familien gegründet haben, ähnlich wie heute in der Allianz Werbung.
Diese andere Welt gab es offiziell in der DDR gar nicht. Ich war mit 18/19 ganz fasziniert von diesen morbiden Strukturen, habe Details fotografiert: Backstein, abgeblätterten Putz, ich habe auch viel Freude an diesen Rissen gehabt.


In der neuen Fotografie sieht man wie alles blank geputzt und saniert wurde. Von der Bausubstanz hat sich ja weiter nichts verändert, aber die Fassaden sind ziemlich glatt und sauber. Man erkennt deutlich, dass alles innerhalb kürzester Zeit passiert ist.
Innerhalb von sieben Jahren wurde das ganze Viertel komplett durchsaniert. Deshalb haben die Häuser vom Erhaltungszustand her alle den gleichen Level und sehen noch verhältnismäßig frisch aus. In anderen Stadtbezirken, vor allem im Westen, wurden die Häuser nach und nach saniert, Anfang der 90er oder jetzt erst. Dort findet man dann auch mal ein altes, nicht saniertes Haus dazwischen. Das ist mehr eine gewachsene Struktur.